Bernauer Modell - BI Saalfelder Suhler Straße

BI Saalfelder Suhler Straße
04.10.2021
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QUELLE MAZ
Bernauer Modell im Mühlenbecker Land: Sandpisten verwandeln sich in „echte“ Straßen
Der Brombeerweg in Schildow hat im August eine Asphaltschicht erhalten. Es handelt sich um eine „erweiterte Instandsetzung“.

17:55  06.09.2021
Die Gemeinde Mühlenbecker Land lässt in diesem Jahr drei Straßen in Zühlsdorf und Schildow nach dem „Bernauer Modell“ instandsetzen. Das freut die Fraktion der Freien Wähler, aber der Fachbereichsleiter für Bauen ist weniger euphorisch.

Mühlenbecker Land
Für die Anwohner des Brombeerweges in Schildow sind die Zeiten von Staubwolken und Pfützen vorbei: Ihre Straße ist im Zuge einer „erweiterten Instandsetzung“ auf einer Länge von 340 Metern mit einer Asphaltdecke versehen worden. Die Fahrbahn ist lediglich 3,50 Meter breit, aber immerhin breit genug, damit ein Fahrzeug und ein Radfahrer einander passieren können, beschreibt Thomas Strahl aus dem Tiefbauamt der Gemeinde die neue Situation. In den vergangenen zwei bis drei Jahren hatte es Beschwerden von Anwohnern gehagelt, weshalb sich die Gemeinde zu dieser Form der Instandsetzung entschlossen habe, so Strahl.

Asphalt wird ohne konkrete Planung aufgebracht
Angelehnt sei die Maßnahme an das sogenannte „Bernauer Modell“. Es heißt so, weil in Bernau Sandpisten bereits so ausgebaut wurden, aber auch in Birkenwerder, Hohen Neuendorf und in Oranienburg. Zuerst wird die vorhandene Sandpiste abgeschoben und der Untergrund dann mit Schotter verdichtet. Schließlich werde eine etwa zehn Zentimeter dicke Asphaltschicht aufgetragen – als „Tragdeckschicht“. Um die Stabilität zu erhöhen, werden zwei Schichten aufgetragen. Wo möglich, werden für die Regenentwässerung neben der Fahrbahn Mulden angelegt.

Der Sandweg der Steinpfuhlstraße in Zühlsdorf soll ebenfalls nachhaltig repariert werden.
Der Sandweg der Steinpfuhlstraße in Zühlsdorf soll ebenfalls nachhaltig repariert werden. Quelle: Robert Roeske

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Er habe allerdings seine Probleme mit diesem Verfahren, gibt Bau-Fachbereichsleiter Hanns-Werner Labitzky zu. Es gebe keine fundierte Planung und vor allem kein Konzept für die Regenentwässerung, begründet der Bauamtsleiter seine Vorbehalte. Dadurch bestehe stets die Gefahr, dass unvorhergesehene Belastungen angrenzender Grundstücke eintreten könnten.

Schmerzliche Ausbaubeiträge fallen weg
Um aber die ständigen Probleme mit stark befahrenen Sandpisten in den Griff zu bekommen, lässt die Gemeinde in diesem Jahr sogar drei Straßen auf diese vereinfachte Bauweise herrichten. Insgesamt 325 000 Euro werden aus dem Gemeindehaushalt dafür zur Verfügung gestellt. Der große Vorteil für die angrenzenden Grundstückseigentümer: Die zum Teil schmerzlichen Ausbaubeiträge sind nicht zu entrichten. Die Fahrbahnbeschaffenheit wird aber trotzdem maßgeblich verbessert.

Brombeerweg in Schildow: Für Laien ist kaum erkennbar, mit welchem Verfahren die Straße befestigt wurde.
Brombeerweg in Schildow: Für Laien ist kaum erkennbar, mit welchem Verfahren die Straße befestigt wurde. Quelle: Robert Roeske
Neben dem Brombeerweg, dessen Ausbau Anfang August begann, lässt die Gemeinde zwei weitere Straßen in Zühlsdorf nach dem Bernauer Modell instandsetzen, die Krumme Straße mit einer Länge von 440 Metern sowie die Steinpfuhlstraße mit 333 Metern Länge. Als „Bonus“ wird ebenso die kreuzende Waldstraße mit einer Länge von 125 Metern Länge hergerichtet.

Ortsansässiger Baubetrieb realisiert Vorhaben
Bauausführende Firma ist die Firma Stradeck GmbH Tief- und Straßenbau mit Sitz in Mühlenbeck. Diese hatte nach der Ausschreibung das günstigste der vier eingegangenen Angebote abgegeben. Ende Oktober sollen die Arbeiten an allen drei Straßen beendet sein, wobei die Fahrbahnen nacheinander abgearbeitet werden sollen, informierte Thomas Strahl auf MAZ-Nachfrage.

Jahrzehntelange Haltbarkeit erwartet
Im Vorjahr hatte die Gemeinde Mühlenbecker Land mit der rund 200 Meter langen Ahornstraße das Pilotprojekt realisiert, ausgeführt ebenfalls von der Stradeck GmbH. Da die Bankette (Seitenbereiche der Straße) im Begegnungsverkehr befahren werden müssen, war dort ein 50 bis 80 Zentimeter breiter Schotterstreifen angelegt worden. So lasse sich die Haltbarkeit verlängern. Er persönlich erwarte nach den Erfahrungen in Bernau, dass die neuen Asphaltpisten trotz ihres vereinfachten Aufbaus bis zu 20 Jahre lang halten können, sagt Thomas Strahl.

Ziel: Anwohner finanziell zu entlasten
Insbesondere die Freien Wähler hatten sich um diese Form des Straßenbaus bemüht. „Wir haben das in unserem Wahlprogramm“, sagt Claus Schwartzer aus Schildow, Vize-Vorsitzender des Bauausschusses und Vize-Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Zudem war ein entsprechender Antrag in die Gemeindevertretung eingebracht worden. „Wir sehen das absolut positiv“, sagt er mit Blick auf die drei Straßen. „Und wir würden gern sehen, wenn das noch forciert wird“, schiebt er hinterher. Ziel sei es, so die Anwohner finanziell zu entlasten.

Weitere Projekte 2022 vorgesehen
Die Gemeinde plane auch für 2022 erweiterte Instandsetzungen nach dem Bernauer Modell, kündigte Hanns-Werner Labitzky an. Über die anvisierte Summe oder konkrete Projekte mochte er sich allerdings noch nicht äußern.

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